Das Quartär — Eiszeitalter, Klima und die Epoche des Menschen
Wie 2,6 Millionen Jahre Erdgeschichte unsere Landschaften, unser Klima und uns selbst geformt haben — im Licht der aktuellen Forschung
Wir leben in einer geologischen Periode, die nicht abgeschlossen ist. Das Quartär begann vor rund 2,58 Millionen Jahren und läuft weiter. Genau diese Besonderheit erklärt einen Großteil der Verwirrung, die den Begriff umgibt. Die Fragen wiederholen sich mit bemerkenswerter Beständigkeit. Wann hat das Quartär angefangen, und warum ausgerechnet dann? Ist es dasselbe wie die Eiszeit? Wieso heißt eine Periode die vierte, wenn es die erste, zweite und dritte offiziell gar nicht mehr gibt? Welche Tiere lebten in dieser Zeit, und weshalb sind die meisten großen unter ihnen verschwunden? Und die Frage, die alle anderen überlagert: Wann endet das Ganze? Auf jede dieser Fragen gibt es eine kurze Antwort. Das Problem an kurzen Antworten ist, dass sie sich gegenseitig widersprechen, sobald man drei davon nebeneinanderlegt. Die eine Quelle nennt 1,8 Millionen Jahre als Beginn, die nächste 2,6. Ein Lexikon behauptet, das Quartär sei die Eiszeit; ein anderes schreibt, wir lebten in einer Warmzeit. Nichts davon ist schlicht falsch — es sind Momentaufnahmen eines Wissensstandes, der sich in den letzten zwei Jahrzehnten erheblich verschoben hat. Dieses Buch nimmt sich Zeit für die langen Antworten. Ein Blick in den Aufbau: Kapitel 1 — Was das Quartär ist: Definition, Rang und Zeitrahmen. Warum Quartär, Pleistozän und Gelasium alle drei am selben Punkt beginnen, und was die Kürzel ka und Ma in jeder Fachgrafik bedeuten. Ihr Nutzen: ein Zeitgerüst, das Sie in jeder Quelle wiedererkennen. Kapitel 3 — Die Grenze bei 2,58 Millionen Jahren. Ein Hang in Sizilien entscheidet über den Anfang einer Periode. Ihr Nutzen: Sie verstehen, warum Altersangaben zwischen Quellen abweichen, und können beurteilen, welche Fassung vorliegt. Kapitel 5 — Der Takt des Himmels: Milanković und die mittelpleistozäne Wende. Drei Bewegungen der Erde, drei Perioden, und ein Rätsel, das seit Jahrzehnten offen ist. Ihr Nutzen: Klimazyklen werden nachvollziehbar statt geheimnisvoll. Kapitel 10 — Die veränderte Weltkarte: Landbrücken, Schelfe, versunkene Länder. Doggerland unter der Nordsee, Beringia zwischen Sibirien und Alaska. Ihr Nutzen: Sie sehen, wie beweglich Küstenlinien tatsächlich sind. Kapitel 15 — Der Mensch wird Mensch: zweieinhalb Millionen Jahre Gattung Homo. Von den ersten Steingeräten über den Unterkiefer von Mauer und die Schöninger Speere bis zur Elfenbeinkunst der Schwäbischen Alb. Ihr Nutzen: die deutsche Fundkette als zusammenhängende Erzählung. Kapitel 16 — Das große Sterben: warum die Riesen verschwanden. Klima oder Mensch — eine Debatte, die seit über sechzig Jahren geführt wird. Ihr Nutzen: Sie lernen, wie Belege in einem offenen Streit gegeneinander abgewogen werden. Kapitel 20 — Wohin das Quartär läuft. Die nächste Kaltzeit, der Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre und die Frage, welche Zeitskala jeweils gemeint ist. Ihr Nutzen: ein Maßstab, mit dem sich aktuelle Messwerte einordnen lassen. Insgesamt zwanzig Kapitel, rund 38.700 Wörter, mit Einleitung, Schluss und thematisch gegliedertem Literaturverzeichnis. Für wen ist das geschrieben? Für Leserinnen und Leser mit einer Prüfung vor sich, die mehr brauchen als Stichpunkte. Für Menschen, die vor einer Moräne stehen oder durch ein Urstromtal fahren und wissen wollen, was sie da sehen. Für alle, die Berichte über Klimaveränderungen verfolgen und die Bezugsgröße vermissen. Ein Hinweis zur Arbeitsweise: Die Erforschung des Quartärs ist eine Disziplin, in der man mit Unsicherheiten rechnen muss. Datierungen haben Fehlerbalken, Korrelationen zwischen Regionen sind manchmal strittig, und mehrere zentrale Fragen werden bis heute kontrovers diskutiert. Dieses Buch verschweigt solche Kontroversen nicht und löst sie auch nicht künstlich auf.
Bezugsquellen
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- Geschichte & Zivilisation
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- E-Book